Immer wieder neu verknüpfen.

Steve Jobs hat in seiner Rede vor Absolventen in Stanford im Jahr 2005 als einen Grund seines Erfolgs u.a. < connecting the dots > genannt. Er hatte sein Leben lang immer wieder erworbene Kenntnisse und gemachte Erfahrungen neu miteinander verknüpft und auf dieser Grundlage Neues geschaffen.

Im Zeitpunkt, wenn wir eine neue Erfahrung machen, wissen wir meistens noch gar nicht, ob wir diese später brauchen werden oder nicht. Wenn wir einen neuen Menschen kennen lernen, wissen wir das häufig ebenfalls nicht. Wir können es noch nicht richtig einordnen und bewerten. Hermann Hesse beschreibt das in seiner < Chinesischen Parabel >:

Ein alter Mann mit Namen Chunglang, das heißt ‚Meister Felsen‘, besaß ein kleines Gut in den Bergen. Eines Tages begab es sich, daß er eins von seinen Pferden verlor. Da kamen die Nachbarn, um ihm zu diesem Unglück ihr Beileid zu bezeigen. Der Alte aber fragte: ‘Woher wollt ihr wissen, daß das ein Unglück ist?’

Und siehe da: Einige Tage darauf kam das Pferd wieder und brachte ein ganzes Rudel Wildpferde mit. Wiederum erschienen die Nachbarn und wollten ihm zu diesem Glücksfall ihre Glückwünsche bringen. Der Alte vom Berge aber versetzte: ‘Woher wollt ihr wissen, daß es ein Glücksfall ist?’

Seit nun so viele Pferde zur Verfügung standen, begann der Sohn des Alten eine Neigung zum Reiten zu fassen. Eines Tages brach er sich das Bein. Da kamen die Nachbarn wieder, um ihr Beileid zum Ausdruck zu bringen. Und abermals sprach der Alte zu ihnen: ‘Woher wollt ihr wissen, daß dies ein Unglücksfall ist?’

Im Jahr darauf erschien die Kommission der ‘Langen Latten’ in den Bergen, um kräftige Männer für den Stiefeldienst des Kaisers und als Sänftenträger zu holen. Den Sohn des Alten, der noch immer seinen Beinschaden hatte, nahmen sie nicht. Chunglang mußte lächeln.

Es geht nicht um Bewertung. Weder von anderen noch von uns selbst. Es geht auch nicht darum, was passiert. Es geht darum, was ich daraus mache, wie ich ständig meine Fähigkeiten, Kenntnisse, Erfahrungen wieder neu verknüpfe. Connecting the dots.

17. April 2012 von Christoph Nowag | Kategorien: Think

← Zurück zu allen Artikeln