Manchmal auch ungefiltert.

Ich habe vor kurzem eine Weinprobe mit Freunden organisiert. Neun Weine wollten wir verkosten und anschließend trinken. Doch neben uns Jungs hat noch jemand ‘mitverkostet’: Google, bzw. irgendwelche über das Internet gefundenen Weinverkoster /-portale etc. Ständig wurde per Smartphone geschaut, wie viel Punkte der Wein von diesem und jenem erhalten hat, was er kostet usw.

Anstatt der eigenen Sinnesorgane, übernahm teilweise das Internet die Oberhand. Statt den Wein selbst unvoreingenommen zu beschreiben, wurde resümiert, ob man es so sieht, wie der Weinkommentator den Wein beschreibt und ob der Preis (der eigentlich keine Rolle bei der Verkostung spielte) gerechtfertigt ist.

Das ist sicher nur ein Beispiel. Aber manchmal habe ich bei mir selbst die Befürchtung, dass ich schneller – beruflich wie privat – das Internet auf betriebsbereit schalte als mich selbst. Vielleicht sollte ich häufiger erst einmal auf mich selbst hören, mein vorhandenes Wissen abrufen etc., bevor ich Fremdmeinungen und –informationen einhole.

Ein weites Beispiel: Mein Vater und ich waren auf mehrtägiger Fahrradtour. Wir haben gekonnt den Weg verloren. Während ich mit dem iPad und dem kaum vorhandenen Empfang kämpfte, fragte mein Vater einen Einwohner nach dem Weg. Das ging. Und zwar schneller, kompetenter und netter als das, was ich hinbekommen habe.

Es könnte ja sein, dass wir unsere Fähigkeit zur Informationsbeschaffung im Internet weiter perfektionieren, aber gleichzeitig unser Eigenurteil, die Selbstsicherheit und die anderen Möglichkeiten in den Hintergrund treten. Vielleicht sollten wir häufiger erst einmal auf ‘ungefiltert’ und erst dann auf  ‚online‘ schalten.

26. Juni 2012 von Christoph Nowag | Kategorien: Think

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